
Trump sitzt im White House und die AfD bald im Bundestag; „postfaktisch“ ist Wort des Jahres und „post-truth“ Word of the Year 2016; der Brexit kommt auf die harte Tour und Breitbart nach Deutschland … Es sind harte Zeiten für Freunde der Aufklärung. Was tun? Mir fällt nichts Besseres ein, als die Sache mit der Aufklärung zu verteidigen.
Aufklärung needs you! Aber wie konkret?
Ich suche nach Konkretisierungen. Wie kann ich, wie kannst Du helfen, die Aufklärung zu verteidigen oder gar zu verbreite(r)n? Ich möchte Ideen in Form von kurzen Interviews in meiner Podcast-Reihe „Jöran ruft an (JRA)“ vorstellen. Arbeitstitel: „Make #Aufklärung great again! (JRA-MAGA)“
Hier sind einige erste Ideen:
- Betreibe Deine eigene Domain!
- Schreibe an Wikipedia mit!
- Schreibe als Frau an Wikipedia mit!
- Nimm Emotionen in der Politik Ernst!
- Zahlen Gebühren für den Deutschlandfunk!
- Werde Lehrerin!
- Werde Ortsbürgermeister!
- Gucke mit den Kindern „Wissen macht Ah!”
- Betreibe Deine eigene Domain!
- Diskutiere öffentlich, ob wir in einer Gefühlsdemokratie leben!
- Lernen Programmieren!
- Lerne Informatik, nicht nur Programmieren!
- Lies mal wieder das Gedicht „Lob des Zweifels“!
- Installiere HTTPS everywhere
- …
Ideen, bitte!
Wie kann ich, wie kannst Du helfen, die Aufklärung zu verteidigen oder gar zu verbreite(r)n? Call for Ideen! Klein oder groß, als Frage oder als Antwort, als Themen- oder Interviewpartnervorschlag. Konstruktive Kommentare sind sehr willkommen!

Ich teile diese Sorge und Selbstkritik. Wir „Aufgeklärten“ ergehen uns m.E. zu viel in Analysen, ohne den postfaktisch Agierenden etwas entgegen zu setzen. Allerdings schätze ich dies Zeitalter auch nicht als so schlimm ein, wie es hochgejazzt wird. Wir sollten nicht den Feher machen und die Ursache des postfaktischen Zeitalters, die Angst als gegeben ansehen.
Jetzt kommt doch eine kleine Analyse vorweg 😉
Wir leben trotz 70 Jahren Frieden in Umbruchzeiten, die, weil wenig überschaubar und neu, Angst machen (Globalisierung der Wirtschaft und der Medien z.B.). Der Nationalstaat hat gefühl demnach bald nur noch folkloristischen Charakter, was wieder Gegenbewegungen auf den Plan ruft (Unabhängigkeitsbestrebungen kleinster Länder). Auch Trump agiert in diese Richtung (rückwärtsgewandt: – make America great again…)
Der Mensch braucht in unruhigen Zeiten Sicherheit (alter Reflex), was nur zu verständlich ist. Wir Aufgeklärten sollten dem mit einer generellen Bildungsoffensive entgegentreten und darüberhinaus (wichtig!) wo wir gehen und stehen, anahnd von Beispielen die Vorteile unseres freiheitlichen Rechtsstaates betonen! Und ansonsten Ruhe bewahren und NEUGIER auf das Neue wecken. Das ist doch auch sehr spannend! Und fröhlich bleiben. Das meine ich ernst – ich kann diese ganzen abgeklärten „Warner“ nicht leiden. Das ist typisch deutsch by the way. Die neue Zeit bietet auch Chancen, schauen wir doch erst einmal, was sich z.B. unter Trump verändern wird. Wir sind in der glücklichen Lage, dass er nicht unser Präsident ist. Wäre er auch nie geworden. Chance Nr. 1: D und Europa können sich endlich (mental!) von den USA abnabeln. Angst haben wir natürlich, weil wir den gleichen globalen Mechanismen unterworfen sind und uns ungefiltert alle Schuhe anziehen. Wir müssen selbstbewußt, informiert, dabei andere Leute mitnehmend, aktiv unser tägliches Leben gestalten, den Mund aufmachen, wenn Dumpfbacken dumpfe Parolen verbreiten, aber mit einem positiven Ansatz, und sagen, wie toll eine freie, offenen Gesellschaft ohne Angst sein kann und ist. Das bedeutet auch, die Mitmenschen zu begeistern, indem man Zukunftsprojekte (im Kleinen) anstößt. Jeder kann in seiner Nachbarschaft versuchen, z.B. Mißstände gemeinschaftlich anzugehen – auch und besonders in Eigeninitiative (Stichwort: Selbstversorgung auf dem Land). Und wir müssen die angeblich oder tatsächlich Benachteiligten ernst nehmen, ihnen zuhören und sie einbinden – sie nicht als „Pack“ bezeichnen.
Dabei sind Begeisterung, Freude, Selbstbewustsein auch Gefühle, die sogar noch stärker sind als die Angst, weil nur die Angst das Denken abschnürt – Freude z.B. tut das Gegenteil, sie macht kreativ. Das zu vermitteln ist vielleicht auch populistisch, aber notwendig – und getragen von Bildung und „informiert sein“ alles andere als postfaktisch.
Vielleicht kann man sich ja hier über konkrete Ideen austauschen?
Silke
Gestern erst mit einem Kollegen darüber gesprochen, dass die aktuellen politischen Entwicklungen es um so nötiger machen, in der Bildungsarbeit der Aufklärung treu zu bleiben. Das braucht aber einen langen Atem und muss dann stärker prozessorientiert sein. Bildung für Aufklärung ist nicht in einer außerschulischen kurzzeit-pädagogischen Maßnahme oder einer Schulstunde Sozialkunde oder Philosophie pro Woche ab Klasse 9 zu leisten.
Wir probieren das z.B., in dem wir Computerspiele nutzen, um mit Jugendlichen über gesellschaftliche und politische Fragen ins Gespräch zu kommen (http://www.junge-akademie-wittenberg.de/minecraft) oder mit Jugendlichen philosophieren und darüber reden, welche Reformation sie heute brauchen (http://www.denkwege-zu-luther.de), denken aber auch darüber nach, wie das noch stärker in den Fokus unserer Arbeit rücken kann.