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Authentischer Sprachen lernen – Digitale Medien im Unterricht von Monika Heusinger

BildungsWelt, Eigene Texte, NetzWelt
Monika Heusinger (Foto: privat; nicht unter freier Lizenz)

Monika Heusinger (Foto: privat; nicht unter freier Lizenz)

Recherche für einen digitalen Reiseführer über Madrid

„Was Du machen kannst, wenn Du Madrid besuchst“, ist ein typisches Kapitel im Spanisch-Lehrwerk. Lehrerin Monika Heusinger ist damit nicht ganz glücklich. „Es sind nicht immer die aktuellen Themen, die im Schulbuch zu finden sind. Und Neuntklässler finden dort nicht unbedingt die Sehenswürdigkeiten, die sie interessieren. Die gehen nicht ins Theater. Die finden das Fußballstadion spannend!“


Dieser Artikel ist Teil der 10-teiligen Reihe „Chancen der Digitalisierung für individuelle Förderung im Unterricht – zehn gute Beispiele aus der Schulpraxis“. Mehr dazu …


Also erstellen die Neuntklässler in ihrem zweiten Jahr Spanisch am Otto Hahn Gymnasium Saarbrücken einen eigenen Reiseführer. Für Monika Heusinger, Lehrerin für Spanisch und Französisch, ist der schülerzentrierte Zugang wichtig. „Wenn die Schüler im Web recherchieren, können sie Themen wählen, die sie persönlich interessieren und zusätzliche Aspekte erarbeiten, die im vorgegebenen Material nicht vorkommen.“

Im ersten Schritt geht es um die Verteilung der Themen. Die Schüler arbeiten zu zweit oder dritt und sollen unterschiedliche Themen wählen. „Was gibt es in Madrid und was würde Dich interessieren?“, lautet Heusingers Leitfrage für die ersten 15 Minuten. Die Schüler greifen sich ein Tablet pro Gruppe, verschaffen sich mit Hilfe von Google einen schnellen Überblick und entscheiden sich für eine Sehenswürdigkeit. Sie tragen dann den Namen ihrer Gruppe und ihres Themas in eine Liste ein.

Der Clou: Die Themenliste ist eine Tabelle in Google Docs, in die alle Schüler gleichzeitig schreiben können. Entsteht da Chaos, Frau Heusinger? „Gar nicht, im Gegenteil! Das regelt sich automatisch. Es funktioniert deutlich besser und schneller als eine Themensammlung an der Tafel oder gar über Lose-Ziehen. Früher musste die komplette Themenliste noch verschriftlicht und verteilt werden. Jetzt ist die Liste am Ende der Themenwahl fertig und alle Schüler haben Zugriff.“

Eine zusätzliche Regel motiviert zu schneller Arbeit: Wenn dasselbe Thema von mehreren Gruppen gewählt wird, so bekommt es diejenige zugesprochen, die sich zuerst in die Liste eingetragen hat. In Streitfällen wäre das über die Versionsgeschichte der Liste genau nachvollziehbar.

Nach 20 Minuten beginnt die nächste Arbeitsphase. Die Schüler sammeln Informationen zu ihrer Sehenswürdigkeit und tragen sie in einem Google Doc zusammen. Heusinger erklärt: „Jede Gruppe legt dafür ein eigenes Dokument an, das im gemeinsamen Projektordner gespeichert wird. Das geht in wenigen Sekunden. Ich als Lehrerin (und potentiell auch alle Mitschüler) können dadurch immer auf die Zwischenstände aller Gruppen schauen.“

Die Schüler können für ihre Recherche alle frei im Web verfügbaren Materialien nutzen. „Denkt daran, dass Ihr immer eine Quelle angeben müsst. Wenn Ihr eine neue Seite aufruft, kopiert die Adresse immer direkt in Euer Dokument!“, gibt Heusinger ihren Schüler vor. „Ihr könnt später wieder löschen, was ihr nicht braucht.“ Neben grundsätzlichen Informationen sollen die Schüler auch ein gutes Foto der Sehenswürdigkeit finden und die Adresse des Bildes in ihr Dokument kopieren.

In der 9. Klasse haben die Schüler bereits gelernt, was sie bei der Angabe von Quellen und in Sachen Bildrecht beachten müssen. Falls sie dazu etwas nachschlagen wollen, sind Infoblätter als Gedächtnisstütze in der digitalen Arbeitsumgebung sofort zur Hand.

Themenvielfalt, Medienvielfalt

Die Arbeit mit dem Internet ermöglicht für Monika Heusinger nicht nur Individualisierung bei den Themen, sondern auch bei den Medienformen, über die Schüler sich Wissen aneignen. „Früher habe ich als Lehrerin das Material besorgt. Ich habe zum Beispiel Prospekte von der Tourismuszentrale in Madrid mitgebracht. Jetzt können die Schüler selbst ihren Eingangskanal für Informationen auswählen. Sie entscheiden, ob sie sich Texte durchlesen, Bilder anschauen, Videos ansehen oder einen Podcast hören.“ Viele Schüler bevorzugen visuelle Darstellungsformen. „Sie nutzen häufig nicht Google, sondern YouTube. Ich persönlich wäre da zu ungeduldig, weil ich im Video nicht scannen kann, sondern es mir durchgucken muss. Aber wenn sie das lieber machen, sollen sie das auch. Das ist ihr natürlicher Weg, den sie auch zu Hause gehen, wenn sie Informationen suchen. Das fördert die Motivation enorm!“

Für die Unterrichtspraxis hat Monika Heusinger einen einfachen Weg gefunden, wie auch bei vielen Arbeitsgruppen Videos genutzt werden können, ohne dass der Ton von zehn Videos oder Podcasts im Klassenraum durcheinander geht. „Es gibt kleine Audiosplitter, die das Kopfhörersignal auf bis zu vier Kopfhörer pro Tablet verteilen. Das ist praktisch.“

Artikel für den digitalen Reiseführer

In der folgenden Woche wird die Arbeit am Reiseführer über Madrid fortgesetzt. „Man sieht in der zweiten Stunde einen weiteren Vorteil des digitalen Arbeitens. Wenn wir mit Papier gearbeitet hätten, würde jetzt bestimmt genau der Schüler krank sein oder sein Heft vergessen haben, der in der letzten Woche die Notizen gemacht hat“, lacht Monika Heusinger. „Sie gewöhnen sich einen digitalen Workflow an, der auf Dauer effektiver als die Zettelwirtschaft ist. So etwas wie ‚Heft vergessen’ oder ‚Ich hatte die Liste nicht’ gibt es einfach nicht mehr.“

In der zweiten Stunde geht es darum, aus den gesammelten Notizen einen eigenen Text zu machen. Im Arbeitsdokument werden die Notizen nach und nach gelöscht und stattdessen der eigene Text ausgearbeitet. Manche Schüler nutzen parallel ein zweites Gerät, häufig ihr eigenes Smartphone, um Vokabeln nachzuschlagen.

Nach einer halben Stunde soll der Text fertig sein. Es folgt eine Phase der „Peer Evaluation“ oder „Peer Correction“. Jede Gruppe nimmt sich den Artikel einer anderen Gruppe vor, überarbeitet sprachlich und korrigiert Fehler. Die Organisation für diesen Arbeitsschritt dauert wieder nur Sekunden. Jede Gruppe nimmt den Artikel, der in der Gesamtübersicht in der Zeile unter dem eigenen Eintrag steht. Der Text selbst ist mit einem Klick aufgerufen. „Die Schüler sind im Feedback sehr offen“, berichtet Heusinger. „Die trauen sich auch Rückmeldungen, bei denen ich vorsichtiger wäre. Wenn ein Text nur sehr kurz geworden ist, dann kommt schon mal ein spontaner Ausruf: ‚Wie jetzt? Das war’s schon?!’“

Heusinger zieht eine Zwischenbilanz: „Die Schüler haben sich mit Madrid auf individuelle, aktuelle und authentische Weise auseinandergesetzt, wie es ohne digitale Medien in zwei Schulstunden nicht möglich gewesen wäre. Die Arbeitsorganisation ist deutlich straffer, als wenn wir mit Materialien auf Papier gearbeitet hätten.“

Nach der zweiten Stunde nimmt Monika Heusinger sich alle Texte zu Hause noch einmal zur Korrektur vor. Anschließend erstellt sie aus den einzelnen Dokumenten ein gemeinsames Werk. „Das geht schnell. Ich nutze dafür Liberio. Das ist eine Software aus Berlin, mit der ich aus allen Dokumenten eines Ordners auf Google Drive mit einem Klick ein E-Book erstellen kann.“

Mit diesem Ergebnis geht Monika Heusinger in die dritte Stunde. „Natürlich sieht man den Ergebnissen an, dass die Schüler erst im zweiten Jahr Spanisch lernen und nur zwei Unterrichtsstunden Zeit hatten. Dennoch ist die Wertschätzung der Ergebnisse sehr wichtig.“ Alle Schüler lesen nun alle anderen Beiträge. Anschließend sollen sie eine Sehenswürdigkeit (nicht die eigene) auswählen, die sie gerne ansehen würden. Im Plenum wird dann rundum mündlich die Auswahl vorgestellt und begründet.

Individualisierung mit Tablets

Heusinger koordiniert den Einsatz von Tablet-Computern an ihrer Schule. Außerdem ist sie Fachleiterin für das Fach Spanisch am Studienseminar des Saarlandes und Dozentin für Fachdidaktik Spanisch an der Universität des Saarlandes. Mediendidaktik und Fachdidaktik möchte sie nicht voneinander trennen. „Individualisierung bedeutet für mich, dass jeder Schüler die Eigenverantwortung für die Gestaltung des Lernprozesses übernimmt und damit die eigenen Interessen und Stärken einbringen kann. Durch die digitalen Medien entstehen da ganz neue Möglichkeiten. Und mit den Tablets und der digitalen Umgebung wird der Arbeitsfluss sehr leicht.“

Bisher gibt es an der Schule 20 iPads, demnächst sollen es 40 sein. Die Schule hat sich bewusst für ein System mit zentraler Ausleihe und gegen die Eins-zu-Eins-Ausstattung von nur einer Klasse entschieden, um möglichst vielen Schülern die Nutzung zu ermöglichen. Außerdem können die Schüler im Unterricht auch eigene Geräte nutzen. Monika Heusinger sieht durch die Tablets einen deutlichen Wandel in der Computernutzung: „Wir haben auch Notebooks zur Ausleihe und einen Computerraum. Seit die Tablets da sind, werden die Notebooks aber so gut wie gar nicht mehr ausgeliehen. Den Computerraum brauchen wir höchstens noch für längere Textproduktionen oder bestimmte AGs.“

Wie hast Du’s mit Google?

Als Lernmanagementsystem setzt Monika Heusinger seit 2013 auf Google Drive. „Das ist für mich wirklich eine Lernumgebung“, zeigt sich Heusinger überzeugt. „Hier sind Materialien und ganz viele Werkzeuge beieinander und einfach zugänglich. Ich kann alle Materialien zentral bereitstellen, und am selben Ort können die Schüler damit arbeiten.“ Bei Google Drive zählen zu den Werkzeugen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware sowie zahlreiche Erweiterungen wie Mindmapping- oder Übersetzungsprogramme. Außerdem können weitere Materialien im Web über Links angeboten werden.

In Deutschland stellt sich bei der Arbeit mit Google Drive sofort die Frage nach dem Datenschutz. Die Nutzung ist im Saarland grundsätzlich gestattet. Außerdem hat Monika Heusinger die Materialien so eingerichtet, dass sie komplett ohne individuelle Anmeldung genutzt werden können. „Im Unterricht ist jedem Gerät, nicht jedem Schüler ein Account zugeordnet. Für die Arbeit zuhause sind alle Inhalte über einen Link erreichbar, für den es keine Anmeldung braucht.“ Die Anmeldung über einen eigenen Google-Account ist also nicht notwendig. Dennoch nutzen einige Schüler sie. „Sehr viele Schüler haben einen eigenen Google-Account, schon weil sie häufig Android-Smartphones haben. Die legen den Schulordner dann auch in ihrer eigenen Ablage ab. Das ist ganz individuell. Jeder kann damit arbeiten, wie er möchte.“

Die individuelle Nutzung wird von den Schülern nach Heusingers Erfahrung bei Google Drive stark angenommen. „Für die Schüler ist es ganz wichtig, dass es eine App gibt. Jedes Mal im Browser die Adresse aufrufen, Zugangsdaten eingeben etc. – das ist zu viel. Wenn es ein bisschen umständlich ist, wird es nicht gemacht, wenn man mal 10 Minuten im Bus oder im Wartezimmer hat. Dafür müssen Inhalte und Werkzeuge auch für das Smartphone optimiert sein.“ Usability und gute Aufmachungen sind wichtige Eigenschaften für Heusinger bzw. ihre Schüler. „Bei unserem Intranet früher oder bei Moodle wirkte die Umgebung für die Schüler schon an der Oberfläche verschult. Google Drive sieht so aus wie die Dinge, die sie auch privat nutzen. Der Workflow ist viel angenehmer.“

Blogs zu Skigebieten, Karten zu Kolumbien, Gedichte auf Pinterest

Die Methode zum „Reiseführer Madrid“ hat Monika Heusinger bereits in vielfachen Varianten durchgeführt. Dabei findet sich immer wieder das gleiche Vorgehen: Am Anfang stehen digitale Materialien oder eine Recherche im Web, danach müssen die gefundenen Informationen sortiert und aufbereitet werden, und drittens wird als Ergebnis ein kreatives digitales Produkt erstellt. Abschließend werden die Ergebnisse gemeinsam gesichtet und besprochen.

Auf diese Weise haben Heusingers Schüler schon im ersten Unterrichtsjahr einen Blog erstellt, in dem verschiedene Skigebiete vorgestellt werden. Oder sie unternahmen eine virtuelle Reise durch Kolumbien, in dem Informationen zu interessanten Orten als interaktive Landkarte angelegt wurden.

Eine Recherche zu den Comunidades Autónomas (den 17 Regionen Spaniens) wurde im 11. Jahrgang in Form von Plakaten umgesetzt. „Der Lehrplan sagt, wir sollen eine Region exemplarisch behandeln. Aber wir können mit dem Internet ja auch alle Regionen bearbeiten. Die Informationen sind ja da, und die Schüler können nach ihren eigenen Interessen recherchieren.“ Im Ergebnis entstand eine Sammlung von Plakaten, die für einen virtuellen Rundgang auf der Plattform Pinterest veröffentlicht wurden. Zur Erstellung nutzen die Schüler das Präsentationsprogramm Keynote und Fotos, die als Public Domain frei verwendbar sind.

Sreenshot von Pinterest (Bild steht unter keiner freien Lizenz)

Sreenshot von Pinterest (Bild steht nicht unter freier Lizenz)

Ähnlich ging Monika Heusinger vor, als sie fortgeschrittene Lernende in der Oberstufe Gedichte schrieben ließ. Auch hier war Pinterest für sie erste Wahl zur Veröffentlichung der Ergebnisse. „Für mich ist das eine super Plattform, um Produkte visuell ansprechend auszustellen. Früher hatten wir einen Rundgang in der Klasse, wo sich immer wieder alles gestaut hat. Jetzt können die Schüler sich mit dem Tablet in eine Ecke setzen und alles in Ruhe anschauen. Das entspannt die Situation sehr. Die Ergebnissichtung ist viel ruhiger und individueller möglich.“ Für die Nutzung von Pinterest gibt es einen gemeinsamen Account der Klasse. Die Sichtung der Ergebnisse ist ohne Anmeldung möglich.

Digital üben

Neben dem projekt- bzw. produktorientierten Lernen nutzt Monika Heusinger auch verschiedene Formen des webbasierten Übens. „Die Schüler arbeiten sehr gerne mit Quizlet, LearningApps oder Kahoot. Sie können im eigenen Tempo arbeiten und bekommen sofort ein Feedback. Die Schüler erfahren dabei auch, dass sie für das Lernen nicht immer einen Lehrer brauchen. Das befähigt sie auch zum lebenslangen Lernen. Sie nehmen ihren Lernprozess selbst in die Hand!“

Zeitung lesen ohne Rollkoffer

Eine beliebte Methode im Sprachunterricht ist die Lektüre von authentischen Texten, zum Beispiel von Artikeln aus Zeitungen oder Zeitschriften. Zum Nachschlagen von unbekannten Vokabeln fehlt dafür häufig eine Arbeitshilfe. Heusinger: „Meist arbeitet man mit Nachschlagewerken erst in der Oberstufe. Das sind dann dicke, schwere Wörterbücher. Wenn man zwei oder drei Sprachen lernt, braucht man alleine für die Wörterbücher schon einen Rollkoffer.“

Um dennoch die Arbeit mit Zeitungsartikeln zu ermöglichen, werden Originaltexte daher mit einem Vokabelapparat am Ende versehen – einer Liste der Begriffe, die wahrscheinlich erklärungsbedürftig sind.

Im Unterricht von Monika Heusinger können die Schüler anstelle des Vokabelapparats Wörterbücher im Web oder als App nutzen, entweder auf den iPads oder einfach auf den Smartphones, die sie ohnehin dabeihaben (und die deutlich leichter sind als ihre papierenen Äquivalente).

Selbstvertrauen dank digitaler Arbeitshilfen

Monika Heusinger findet das nicht einfach nur praktisch. Mit dem traditionellen Vorgehen hat sie drei Probleme: „Erstens macht die Erstellung eines Vokabelapparats viel Arbeit. Zweitens ist die Auswahl nie individuell genug, so dass Schüler oft sagen: ‚Ich kenne alles, was da steht. Aber das was ich brauchen würde, fehlt in der Liste.’ Und drittens suggeriere ich ein Defizit, in dem ich dem Schüler signalisiere: ‚Du kannst einen authentischen Zeitungstext nur lesen, wenn Du von mir die Vokabeln dazu bekommst.’”

Digitale Wörterbücher lösen für Monika Heusinger alle drei Probleme: „Es ist eine echte Zeitersparnis für mich. Ich vermeide viel Frust, denn ich muss nicht mehr antizipieren, wo die Schüler wohl Unterstützung brauchen könnten. Und schließlich lernen die Schüler, dass sie selbständig arbeiten können. Sie können prinzipiell jeden Zeitungsartikel lesen, und nicht nur die, die man ihnen aufbereitet vorgelegt hat.“ Damit ändert sich grundlegend auch die Auswahl der Texte für den Unterricht. Schüler können selbstbestimmt Texte lesen, die sie ihren individuellen Interessen entsprechend im Web finden.

Bei den sogenannten Ganzschriften, also vorrangig Romanen, sieht Heusinger einen weiteren Vorteil digitaler Texte: „In Materialien der Schulbuchausleihe oder Ganzschriften, die im Abitur verwendet werden dürfen, dürfen die Schüler keine Markierungen und Notizen machen – in digitalen Kopien geht das.“ Hinzu kommt, dass bei digitalen Lesegeräten und Apps ein Wörterbuch in der Regel integriert ist. Das Nachschlagen nimmt so nur noch einen Bruchteil der Zeit ein, die es im papierenen Wörterbuch benötigte.

Verabredungen per WhatsApp

Für Heusinger lassen sich Schulbuch und WhatsApp gut miteinander verbinden. Ein Klassiker des Fremdsprachen-Lernens ist die Verabredung mit anderen Menschen. Heusinger: „Das traditionelle Lehrwerk bietet den entsprechenden Input und schlägt dann als Hausaufgabe vor: ‚Schreibe einen Dialog, in dem sich zwei Personen verabreden!’“ Heusinger nutzt noch den ersten Teil, also den Input. „Dann gebe ich als Hausaufgabe: ‚Suche Dir über WhatsApp drei Mitschüler, mit denen Du Dich auf Spanisch verabredest! Lehne zwei Angebote ab und nimm das dritte an!’ Das kommt bei den Schülern viel besser an und führt zu deutlich längeren Dialogen. Es ist einfach authentischer!“

Zugriff auf die Welt

Die Arbeit mit authentischen Inhalten und für authentische Verwendungszwecke ist für Monika Heusinger ein Schlüssel für Fremdsprachen. „Das Lernen muss nicht in der didaktisierten Lehrbuch-Welt verbleiben. Ich habe Zugriff auf authentische Materialien. Ich habe Zugriff auf die Welt!“

Nicht nur über die Materialien will Monika Heusinger das Sprachenlernen näher am „echten Leben“ ausrichten. „Ich kann die fremdsprachliche Welt auch über Menschen in den Klassenraum holen, weil ich Zugriff auf ganz viele Muttersprachler habe.“ Über Videogespräche mit Muttersprachlern oder Kooperationsprojekte mit anderen Schulen können die Schüler nicht nur enger mit der Sprache, sondern auch mit der Alltagskultur anderer Länder in Kontakt kommen.

Der Unterricht mit digitalen Medien hilft Heusinger bei einer zentralen Herausforderung des Sprachenlernens. „Ich kann den individuellen Redeanteil enorm erhöhen. Ich kann die Sprechfähigkeit schulen, indem ich zum Beispiel Podcasts und Hörspiele produzieren lasse.“ Heusingers Fazit: „Mein Unterricht wäre ohne digitale Medien gar nicht mehr möglich. Das wäre ein enormer Verlust an Qualität und an Möglichkeiten, das Lernen individualisiert und kooperativ zu gestalten.“


Eckdaten zu Person und Schule

Name
Monika Heusinger

Fächer
Spanisch und Französisch

Schule

  • Otto Hahn Gymnasium Saarbrücken (Saarland)
  • ca. 700 Schülerinnen und Schüler

Aufgaben in der Schule

  • Koordinatorin für den Einsatz der iPads
  • Vorsitzende der Fachkonferenz Spanisch

Berufsbiograhie

  • Studiendirektorin für die Fächer Spanisch und Französisch am Otto Hahn Gymnasium Saarbrücken
  • Fachleiterin für das Fach Spanisch am Staatl. Studienseminar des Saarlandes für die Sekundarstufen I und II an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen
  • Teilabordnung als Dozentin für Fachdidaktik Spanisch an der Universität des Saarlandes

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Dieser Artikel (nur Text) steht unter der Lizenz CC BY SA 4.0. Als Autor soll Jöran Muuß-Merholz im Auftrag der Bertelsmann Stiftung genannt werden.

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