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Interaktive Whiteboards (IWB) haben einen enormen Vorteil …

BildungsWelt, eher Blog, Eigene Texte

… dummerweise haben Lehrer*innen und Schüler*innen nichts davon.

Zeitungsausschnitt mit dem Titel „Quantensprung für den Unterricht“ . Auf dem dazugehörigen Foto sieht man einen Landrat mit sehr guter Laune

 Hurra, das interaktive Whiteboards ist da! Mainpost vom 15.12.2014 via www.veitshoechheim-blog.de

In Deutschland wurde viel Geld in Sachen „digitale Schule“ in interaktive Whiteboards (IWB) gesteckt, landläufig Smartboards, vereinzelt auch interaktive Wandtafel genannt. In Vorträgen und Diskussionen stelle ich gerne folgende These auf, die stets für viel Gelächter sorgt, die ich aber völlig ernst nehme und meine:

Entscheider entscheiden sich so gerne für die Anschaffung von Smartboards, weil sie sich so gut davor fotografieren lassen können.

Das gilt für Schulleitungen, aber besonders für die Schulträger.

Ein Beispiel: „Quantensprung für den Unterricht“

Am Ausschnitt mit Landrat Nuß aus Würzburg lassen sich die medialen Vorteile der Anschaffung eines Whiteboards nachvollziehen:

  1. Man erkennt, dass etwas passiert ist. (Das Smartboard ist jetzt da.)
  2. Man erkennt, dass das Neue irgendwie digital und interaktiv ist. (Es leuchtet hell und etwas verändert sich bei Berührung.)
  3. Man erkennt, wie es funktioniert. (Stift in der Hand, Schrift auf der Tafel.)
  4. Man erkennt, dass es gerade keine Revolution ist. (Die eingesetzte Methode „Lückentexttest“ kennt man aus der eigenen Schulzeit.)
  5. Man erkennt, dass Menschen glücklich sind. (Schüler UND Schulrat freuen sich.)

Fazit aus Sicht des Landrats: Der Entscheider hat etwas entschieden, was irgendwie modern wirkt, die Menschen nicht verunsichert und Kinder glücklich macht.

Warum ist das ein Problem?

Der Nutzen von Interaktiven Whiteboards ist zweifelhaft. Wenn es gut geht, dann haben gute Lehrer*innen zusätzliche Möglichkeiten für guten Unterricht. Wenn es schlecht läuft, verfestigt die neue Technologie alte Muster. Was in analogen Zeiten das Tafelbild des Lehrvortrags war, ist jetzt die PowerPoint-Präsentation, ggf. garniert mit kleinen Videos. „Eine digitale Tafel bleibt – zunächst – eine Tafel und befördert daher den lehrerinnen- und lehrerzentrierten Frontalunterricht.“ (Thomas Knaus (2011): Weiß ist das neue Grün – Pro und Contra digitaler Tafeln).

(Ich vermute, die tatsächlich am stärksten veränderte Nutzungsweise ist das nunmehr vereinfachte Vorführen von Videos im Klassenzimmer.)

Ein Schlüssel für guten Unterricht sind die Whiteboards nicht. Dafür wären zum Beispiel eine gute WLAN-Infrastruktur und natürlich Fortbildungen wichtiger und folgenreicher. Das Dumme ist nur: Man kann sich mit WLAN und Fortbildungen schlecht fotografieren lassen. Jeder Euro, der in Whiteboards gesteckt wird, kann nicht mehr für sinnvollere Dinge ausgegeben werden.

Mehr Beispiele

Ich bin natürlich keineswegs der erste, der diese These aufgestellt hat, vgl. zum Beispiel Axel Krommer.

Besonders schön: Gerhard Brandhofer hat in einem Pinterest-Board Dutzende von Zeitungsausschnitten gesammelt, die Axel Krommer‎s These stützen: „Der größte Vorteil des Whiteboards ist bekanntlich, dass man sich für die Presse davor fotografieren lassen kann.“

Screenshot von der Sammlung auf Pinterest

 Interaktive Whiteboards auf Pinterest

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