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Drei oder vier Kulturtechniken? Es braucht keine Kulturtechnik „digitale Kompetenz“!

BildungsWelt, Eigene Texte, NetzWelt

Laut über den Wandel der Kulturtechniken gedacht

„Neben die drei traditionellen Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen tritt eine vierte: der kompetente Umgang mit digitalen Medien (‘Digitale Kompetenzen’).“ Sagen viele, z.B. Bundesbildungsministerin Wanka und KMK-Präsidentin Bogedan heute in Berlin.

Stimmt das?

These: Es wäre hilfreicher, wenn man die Eigenständigkeit einer vierten Kulturtechnik verneint und stattdessen den Wandel der traditionellen Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen in den Vordergrund stellt.

Warum?

Die traditionellen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen ändern sich laufend, schon immer, aber gerade jetzt im und durch den digitalen Wandel. Wenn man diesen Wandel der Kulturtechniken aufgreift und in Bildungszielen und Bildungshandeln umsetzt, dann könnte man auch die vierte Kulturtechnik darin aufgehen lassen.

Konkreter würde das insbesondere bedeuten, die alten Kulturtechniken weit zu fassen:

  • Lesen insgesamt als Umgang mit der informationellen Welt, also auch als Recherche, Bewertung, Wissensmanagement, Analyse …
  • Schreiben insgesamt als als „in die Welt hinein schreiben“ und „sich in der Welt äußern“, also als geschriebene Schrift, als gesprochenes Wort, als Video oder Audio, als Präsentation, als Gestaltung von Publikationen …
  • Rechnen insgesamt als Verstehen und Gestalten von logischen Verknüpfung von Objekten, also auch als Algorithmen, Informatik, Informationswissenschaften …

Hinter jedem der Beispiele wird man 2016 um digitale Kompetenzen nicht herumkommen. Aber nicht als vierte Kulturtechnik, sondern als Querschnittskompetenzen.

Kulturtechnik Schreiben im erweiterten Verständnis: Andreas Hofmann kommuniziert via WhatsApp (eine Reihe von Sprachnachrichten als Verlauf der Unterhaltung)

Kulturtechnik Schreiben im erweiterten Verständnis: Andreas Hofmann kommuniziert via WhatsApp

PS: Wenn schon eine vierte Kulturtechnik, dann vielleicht lieber eine, die auf soziales Handeln abzielt: Kommunizieren, Kooperieren, Koordinieren, Organisieren etc. Auch da ist die Querschnittskomponente „digitale Kompetenzen“ essentiell.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Für mich viel beachtlicher ist der Zeitpunkt der “Erkenntnis” die hinter Deinem Ausgangszitat steckt – und was dies über die (politische) Entwicklung in dem Bereich aussagt. Hierzu folgendes Zitat (und man beachte das Datum der Quelle), das Deinem von heute recht ähnlich ist ;-):

    „Die Beherrschung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien wird zu einer basalen Kulturtechnik werden, deren Stellenwert dem Lesen und Schreiben gleichkommt“

    (Bildungskommission NRW. 1995. Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft. Denkschrift der
    Kommission „Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft“ beim Ministerpräsidenten des Landes
    Nordrhein-Westfalen. Neuwied (u. a.): Luchterhand-Verlag)

  2. So ist es, lieber Jöran.
    Auch in der sich nun entfaltenden Wissensgesellschaft und angesichts des durch neue Technologien mit immer mehr künstlicher “Intelligenz” beförderten “digitalen Wandels” ist es gut, lesen und schreiben und rechnen zu können – möglichst richtig und möglichst sicher. Gerne auch unter Einschluss der erweiterten Möglichkeiten, die sog. “neue Medien” und digitale Werkzeuge eröffnen.
    Pisa zeigt in globaler Perspektive, dass für zu viele (“Risiko”-)Schüler auch bei den grundlegenden Kompetenzen erhebliche Defizite vorhanden sind. Darum sollte man sich sorgen und um Abhilfe bemühen.
    Und: Über gelingendes “verständnisintensives” Lernen, über Wissenskompetenz und Conceptional Thinking (Konzepte sind die Brücken zwischen Wissen und Handeln und als solche Belege für gewonnenes Verständnis) lohnte es sich auch weiter nachzudenken.
    Mit Gruß, Michael

  3. Wie wäre es denn, wenn man statt der schwammigen “digitalen Kompetenz” von “Programmieren” sprechen würde ? Meiner Meinung nach würde es dann eher Sinn machen, von einer vierten Kulturtechnik zu sprechen. “Lesen”, “Schreiben”, “Rechnen”, “Programmieren”, das klingt für mich durchaus schlüssig…

  4. Es wird sich einiges ändern, defintiv. Eine digitale Kulturtechnik braucht es sicher nicht.

    In einem Interview hörte ich mal eine interessante Aussage. Die lautete sinngemäßt – wir bewegen uns in ein neues orales Zeitalter. Noch schreiben wir von Hand, noch tippen wir. Mancherorts schafft man das Erlernen des Schreibens von Hand schon ab und setzt auf Tastatur. Was kommen wird, ist das Diktieren. Es hat lange gebraucht, entwickelt sich aber in mächtigem Tempo. Wer wird noch von Hand tippen, wenn es so leicht ist, zu diktieren? Nur wenige sind in der Lage, wie gedruckt zu reden bzw. zu diktieren. Das wird dann sein, was man lernen muss, da für geschriebene Sprache eben andere Regeln gelten als für gesprochene.
    Die Bedienung von Computern allgemein wird ohnehin auf Sprachsteuerung übergehen. Das ist einfacher für viele Menschen. Siri, Cortana und wie die digitalen Helferlein alle heißen, zeigen die Richtung an, in die es geht. Auch im Internet wird sich manches ändern. Viele Interaktionen werden mit Bots erfolgen. Es ist der Natur des Menschen näher, mit Sprache zu interagieren, als irgendwelche Buttons zu klicken. Das ist einfacher. Alles das wird auch massive Auswirkungen auf Schule haben.
    Mancher mag das für eine gewagte These halten. Aber wartet es ab.

  5. Ich finde den Gedanken von Jan Neumann sehr interessant und kann dem nur zustimmen. Ich würde auch das Wörtchen “Programmieren” an die erste Stelle setzen, denn das ist es ja, was am Ende den Unterschied macht.

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