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Daniel Domscheit-Berg kündigt Alternative zu WikiLeaks an

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Nicht erst durch die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen ist Wikileaks zu einem großen Akteur der politischen Öffentlichkeit geworden. Auf einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit kündigte Daniel Domscheit-Berg, bis vor kurzem neben Julian Assange einer der beiden Gesichter von Wikileaks, den Start einer eigenen Enthüllungsplattform openleaks.org an.

Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Sprecher von Wikileaks war zusammen mit Karsten Polke-Majewski, stellv. Chefredakteur von ZEIT online, bei einem Hamburger Podiumsgesprächs zum Verhältnis zwischen Wikileaks und Journalismus Gast der Stiftung. Die Veranstaltung war eingebettet in ein Online-Seminar „Öffentlichkeit 2.0“, das die Virtuelle Akademie gleichzeitig zur Enthüllung der diplomatischen Depeschen startete.

Domscheit-Berg bestätigte Gerüchte, dass er an einer Plattform arbeite, die sich als Alternative zu Wikileaks verstehe. Bei Wikileaks lasse sich erkennen, wo Flaschenhälse innerhalb einer solchen Organisation liegen, welche Ressourcen man brauche, wie man Macht, Verantwortung und Entscheidungen aufteilen und transparent machen müsse. Domscheit-Berg begründete seine Trennung von Wikileaks darüber hinaus mit der Veröffentlichungsstrategie von Wikileaks: „Im Moment zählt nur: Wie erregt man die größtmögliche Aufmerksamkeit, wie produziert man einen Weltrekord nach dem anderen. Aber kann man jetzt noch etwas veröffentlichen, was nur regional wichtig ist? Es wird für Wikileaks sehr schwierig, aus dieser Position wieder in einen normalen Betrieb zurückzufinden, in dem man sich ohne Diskriminierung zwischen den Materialien einfach nur mit der Information auseinandersetzt, so wie Wikileaks es eigentlich machen wollte.“ Polke-Majewsi ergänzte: „Wikileaks hat ja, als es noch gar nicht so groß und bekannt war, schon bewiesen, dass es durchaus möglich ist, auch aus Diktaturen Materialien zu veröffentlichen, an die sonst keiner gekommen ist.“

Domscheit-Berg kündigte an, dass Finanzierung, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse der neuen Plattform öffentlich gemacht werden sollen: „Wir wollen uns an denselben Standards für Transparenz messen lassen, die wir für andere auch fordern.“

Auf der Schwelle zu einer digitalen Gesellschaft sehen beide Referenten große Herausforderungen: „Wir müssen als Gesellschaft heute neu definieren, wie wir unsere Welt wahrnehmen, wie wir Transparenz definieren, wie wir Geheimnisverrat definieren. Das ist die wahre Chance von Wikileaks, dass diese Diskussion um einen kulturellen Umbruch angestoßen wird.“ Polke-Majewski wollte dazu den Schutz der Privatsphäre ergänzt wissen: „Wir müssen auch diskutieren: Gibt es auch eine Privatheit für mehr als den einzelnen Menschen?“

Ein Ende des etablierten Journalismus sehen beide Diskutanten nicht – im Gegenteil: „Journalisten werden auch in Zukunft reichlich Arbeit haben“, ist sich Polke-Majewski sicher. „Journalisten müssen Daten auch kuratieren, also sie erschließbar und verstehbar machen.“ Auch Einschätzungen und Interpretationen blieben wichtige Aufgaben der Medien.


Die Veranstaltung wurde von Jöran konzipiert und moderiert. Blanche hat den Video-Livestream und die Aufzeichnung produziert.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Inzwischen gibt es einige Neuigkeiten zu http://www.openleaks.org:
    “Offenes Netz” – Deutsche Welle Radio im Gespräch mit Domscheit-Berg: http://www.dw-world.de/popups/popup_single_mediaplayer/0,,4130963_type_audio_struct_705_contentId_3819673,00.html

    Neues Portal von Ex-Wikileaks-Mitarbeitern – So funktioniert Openleaks – sueddeutsche.de im Interview mit Herbert Snorrason http://www.sueddeutsche.de/digital/neues-portal-von-ex-wikileaks-mitarbeitern-so-funktioniert-openleaks-1.1035441

    Bericht der taz:
    http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/zweites-leck-im-januar/

  2. Pingback: #pb21-Webschau 48/49-2010

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