Truefiction - the next university?

24. Juli 2010

Laura ist Stu­den­tin und hat ein iphone. Damit kann sie durch Raum und Zeit reisen.

Laura kommt aus der Zukunft …

… so wie ein paar Mil­lio­nen andere iphone- und android-Nutzer auch. Für sie wird Kom­mu­ni­ka­tion ver­netzt­gleich­zei­tig­welt­weit. Der Zugang zu Infor­ma­tio­nen ver­ein­facht und ver­viel­facht sich, explo­si­ons­ar­tig. Mate­ri­elle und vir­tu­elle Räu­men ver­schrän­ken sich. Das ver­netzte Handy in der Hosen­ta­sche kann Raum und Zeit über­win­den. Es sprengt den vor­han­de­nen Raum auf, durch das Loch in der Wand kom­men Infor­ma­tio­nen und Per­so­nen von außen her­ein und umge­kehrt strömt Kom­mu­ni­ka­tion in die Welt. Kom­mu­ni­ka­tion wird fest­ge­hal­ten und nach­voll­zieh­bar, ggf. auch Jahre später.

Für Laura ist das keine Science-Fiction. (Was im Film mal wie­der über das Digital-Native-Muster  und Alan Kay begrün­det wird: „Tech­no­logy is only tech­no­logy to people born before it was inven­ted.“ Als wäre Lau­ras Erfin­der Tors­ten Meyer auch erst 23 Jahre jung ;-). Vgl. als Alter­na­tive zum Alters­ar­gu­ment die Unter­schei­dung in Digi­tal Visi­tors und Digi­tal Resi­dents.)

Eine andere Welt aus der Vergangenheit …

… fin­det Laura, wenn sie sich auf Zeit­reise an ihre Uni­ver­si­tät begibt, wo sie noch heute „Regeln und Kon­ven­tio­nen gel­ten, die Ant­wor­ten auf die Her­aus­for­de­run­gen der dama­li­gen Zeit sind“. Laura fin­det an ihrer Hoch­schule „Bau­werke, Bräu­che und Struk­tu­ren, die auf heu­tige Betrach­ter eigen­tüm­lich archa­isch wir­ken können.“

Clash of Cultures

Laura aus der Zukunft und die Uni­ver­si­tät aus der Ver­gan­gen­heit tref­fen sich in der Gegen­wart. In rie­si­gen Hör­sä­len, WLAN-freien Flu­ren, Ein­zel­bü­ros, Biblio­the­ken, mit Wand­ta­feln, Öffnungs- (und Schließungs-)Zeiten, Prü­fungs­ord­nun­gen und Credit Points. Laura 2.0 (beta) und diese Uni­ver­si­tät 1.0 sind nicht kom­pa­ti­bel: „Für klas­si­sche Insti­tu­tio­nen wie ihre Uni­ver­si­tät ist Laura eine Art Kata­stro­phe. Nach der ursprüng­li­chen alt­grie­chi­schen Bedeu­tung: eine Ver­än­de­rung, die nicht auf­zu­hal­ten ist. Eine Wen­dung zum Niedergang.“

Der Film ist den­noch opti­mis­tisch: „Stu­die­rende wie Laura gibt es immer mehr.“ Sie sind welt­weit ver­netzt, stel­len in Frage, expe­ri­men­tie­ren, suchen (und fin­den) gemein­sam Lösun­gen für die Uni­ver­si­tät der Zukunft. Immer: vor­läu­fige Lösun­gen, always beta, under con­struc­tion. „Sie unter­wan­dern Uni­ver­si­tä­ten über­all auf der Welt.“

Der Trai­ler ver­spricht eine Fort­set­zung des Films in unse­ren Universitäten.

Offen bleibt …

Woher kommt der Opti­mis­mus? Woher kom­men die Zeit­rei­sen­den und die Rebel­len? Sind es die edu­cam­per und rele­ar­ner? Ver­netzte Ein­zel­kämp­fer wie @cervus, @lisarosa oder @martinlindner? Ein Hoch­schul­ent­wick­lungs­pro­jekt? Intel Edu­ca­tion oder Micro­soft Hig­her Edu­ca­tion? Oder ____________?

Hin­ter­grund

Der Film „true fic­tion“ ist im Rah­men des Pro­jek­tes ePUSH an der Fakul­tät für Erzie­hungs­wis­sen­schaft, Psy­cho­lo­gie und Bewe­gungs­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Ham­burg ent­stan­den. Pro­du­zent: Tors­ten Meyer (@herrmeyer), inzwi­schen an der Uni Köln.

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7 Kommentare zu “Truefiction - the next university?”

  1. […] für Kom­men­tare, Kri­ti­ken, Erwäh­nun­gen!! http://www.joeran.de/truefiction-the-next-university/, textundblog.de, twitter.com/#search?q=truefiction …) Juli 24, 2010 | In News | Tags: […]

  2. Ver­netzte Ein­zel­kämp­fer“ - wie­der­spricht sich das nicht? Genau das Ver­netzte ist doch der Unter­schied zu alten Zei­ten. Waren es zuvor wirk­lich Ein­zel­kämp­fer oder kleine lokale Grup­pen, so ermög­li­chen die neuen Tech­no­lo­gien eine brei­tere und weit­läu­fi­gere Ver­net­zung, die den ehe­ma­li­gen Ein­zel­kämp­fer zum Team­player macht.
    Wie Team­bil­dung im uni­ver­si­tä­ren Rah­men aus­se­hen kann, zei­gen heute MMPOGs oder Arbeits­pro­jekte in der Wirt­schaft, in wel­chen sich Free­lan­cer für ein­zelne Pro­jekte zusammenschließen.

    • Jöran sagt:

      Ja, „ver­netzte Ein­zel­kämp­fer“ soll sich wider­spre­chen. Zumin­dest zwei der drei Erwähn­ten haben sich wohl darin wie­der­ge­fun­den:
      http://twitter.com/martinlindner/status/19415989268
      http://twitter.com/lisarosa/status/19427218703
      Ich ver­mute, da scheint durch, dass wir es hier (wie­der mal) mit einem shift zu tun haben: Weg vom Ein­zel­kämp­fer, aber auch nicht so Un-Einzelkämpfer, wie man es in der 1.0-Zeit gesagt hätte. Wobei mir gar nicht klar ist, was man denn vor­her war, wenn man kein Ein­zel­kämp­fer war. Teil einer Insti­tu­tion? Und jetzt Teil eines Netz­werks? Ist das der Unterschied?

      • Lisa Rosa sagt:

        Ver­net­zung ist die Ret­tung aus der Einzelkämpfer-Isolation in Insti­tu­tio­nen und Orga­ni­sa­tio­nen o.a. Tätig­keits­sys­te­men, in denen diese den zuge­spitz­ten Wider­sprü­chen im Sys­tem nicht mit erhöh­ter System-Anpassung begeg­nen kön­nen. Das De-Isolierungserlebnis kann durch digi­tale Ver­net­zung ent­ste­hen oder durch her­kömm­li­che (wie z.B. im AdZ-Netzwerk). In letz­te­rem erge­ben sich die Gefühle des Ver­netzt­seins aller­dings nur alle 2 jahre bei den f2f-Massenkongressen.

      • martin sagt:

        es gibt eine stelle bei Ernst Jün­ger um 1930, wo er vom „Gehei­men Deutsch­land“ spricht, das sind die Ein­sa­men, die sich allein durch den Urwald schla­gen, aber sich sofort erken­nen, wenn sie sich tref­fen. (in dem fall: selt­same rechts­in­tel­lek­tu­elle.) in der alten pop­kul­tur gabs natür­lich das­selbe: lau­ter loner aus der pro­vinz, die eigen­sin­nig bestimmte plat­ten hören, und dann erkann­ten sie sich in der nächs­ten uni-stadt gleich wie­der und grün­de­ten mit­tel­mä­ßige bands. pop­kul­tur war über­haupt in vie­lem so etwas wie das sandkasten-experimentierfeld fürs Web.

        das inter­net ist natür­lich das ideale medium für so etwas, jetzt aber im gro­ßen und (viel­leicht, hof­fent­lich) auch gesell­schaft­lich rele­van­ten maß­stab, weil erst­mals in der geschichte die mit­tel zur mas­sen­haf­ten koor­di­na­tion der eigen­sin­ni­gen bereit­ste­hen. was wir gegen­wär­tig tun: nach dem rich­ti­gen dreh suchen. so ganz gefun­den haben wir ihn nicht, aber es wird pas­sie­ren, frü­her oder spä­ter, kein zweifel.

  3. […] auch die Kom­men­tare, Kri­ti­ken, Erwäh­nun­gen … joeran.de, textundblog.de, medialogy.de, twitter.com/#search?q=truefiction […]