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Wie wir mit Begeisterung das totalüberwachte Bildungssystem einführen werden

BildungsWelt, Eigene Videos, NetzWelt, Seminare & Vorträge

Vortragsvideo von der re:publica in Berlin vom 6.5.2015


Wie wir mit Begeisterung das totalüberwachte Bildungssystem einführten – eine Rückschau auf die Jahre 2015 bis 2025“ war der Titel meines Vortrags auf der re:publica 2015. Der Text aus der Ankündigung steht unten nochmal. Außerdem habe ich einige Rückmeldungen zusammengetragen (und teilweise zurückkommentiert).


Danke für die wunderbare Ankündigung meines Talks, liebe Tanja!


Ich danke Rüdiger Fries für zahlreiche sachdienliche Hinweise, die mir bei der Vorbereitung sehr geholfen haben.


Der Hut ist zwar toll, der Witz dahinter war allerdings ohne Erklärung kaum zu verstehen. Schließlich sollte die Mütze aus der Gegenwart, nicht aus der Zukunft stammen. Und: Satire sollte das auch nicht sein.


Das kann man nochmal unterstreichen. Fridtjof Küchemann, @FKuechemann, Redakteur im Feuilleton der FAZ ist der einzige Journalist, der am Thema dran ist. Siehe z.B. „Bildungsdaten sind Treibstoff für die Helikoptereltern“.


Der Tweet von @computerkind ist eigentlich mein liebster, weil er meine Idee hinter dem Vortrag auf den Punkt bringt.

Blog-Artikel zur relearn gab es (noch?) nicht so viele. Tobias Hübner gibt einen guten Überblick mit vielen eingebauten Videos. Außerdem benennt er die Parallelen zu Dave Eggers „The Circle“, die tatsächlich einen großen Anteil an meinem Vortrag haben. Im Blog der Stadtbibliothek Köln steht zunächst, mein Vortrag war „eine doch recht haarsträubende (weil pessimistische) Timeline“, man bilanziert am Ende aber: „Bleibt abzuwarten, ob sich diese Dystopie erfüllt. Allzu unrealistisch scheint es sowohl den Vortragenden als auch uns nicht.“


Wie wir mit Begeisterung das totalüberwachte Bildungssystem einführten – eine Rückschau auf die Jahre 2015 bis 2025

Vortrag auf der re:publica 2015 im Mai in Berlin

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Das Bildungssystem war spät dran, als die Bundesregierung ihre „Strategie Digitale Bildung“ veröffentlichte, damals in 2015. So gut wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche waren schon vom Digitalen Wandel erfasst worden. Viele Menschen hatten gedacht, dass die Schule immun gegenüber Veränderungen sei. Handyverbote und gesperrte Netze hatten zumindest bis 2016 den Eindruck erweckt, man könne so weitermachen wie bisher. Aber dann war ein Tipping Point erreicht, von dem aus sich die Dinge überschlugen. Angetrieben wurde die Entwicklung von unten, über die privaten Geräte, die die Schüler/innen ungefragt mit in die Schulen brachten. Man versuchte 2016 zwar noch, die Smartwatches und später die Brillen-Cams genau wie vorher Handys aus den Schulen auszusperren. Aber das kippte endgültig im September 2016 mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das der Schülerin Yasmin K. das Tragen eines Multifunktionsarmbands gemeinsam mit einem unsichtbaren Funk-Hörimplantat aus gesundheitlichen Gründen erlaubte. Die Politik trat die Flucht nach vorne an. Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2017 löste Schwarz-Grün umgehend das gemeinsame Wahlversprechen ein, flächendeckend jede/r Schüler/in ein digitales Endgerät im Schulalltag nutzen zu lassen. Andere Bundesländer zogen nach – bis zum Großen Crash 2020. Als 13 von 16 Bundesländern kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stande, sagte der Bund Unterstützung zu. Die Bundesländer mussten dafür eine De-Facto-Zentralisierung der Schulpolitik zulassen. Das stärkste Argument der Befürworter zog: Nachdem 16 Bundesländer 16 inkompatible Lernplattformen aufgebaut hatten, bedeutete ein Umzug für die Schüler meist einen Verlust des eigenen Lernportfolios und der Datenprofile. Eine Zentralisierung war unvermeidlich geworden.

Und das war erst der Anfang. Heute im Jahr 2025 können wir rückblickend sagen: Jeder Schritt war willkommen. Es gab nie einen Bösen. Alle wollten immer nur das Beste. Und trotzdem (oder deswegen?) haben wir heute ein totalüberwachtes und umfassend kontrolliertes System im Bildungsbereich etabliert, das jedes Blinzeln jedes Lernenden registriert und auswertet.

Wie konnte es dazu kommen? Der Vortrag sucht Antworten in einer chronologischen Rückschau auf die konkreten Entwicklungen von 2015 bis 2025.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Ein paar erste Gedanken:
    Der Beitrag macht deutlich, dass “Das Digitale” nicht einfach nur ein AdOn für das bisherige Bildungssystem sein sollte und geschweige denn ein automatischer Heilsbringer ist. Im Zweifel wird es für die Sicherheit oder kommerziellen Gewinn instrumentalisiert. Und vor Letzteren müssen dann wiederum die Schülerinnen und Schüler “beschützt” werden Umso wichtiger ist die Debatte über die Ziele des Einsatzes digitaler Medien einerseits und Zielen von Bildung und Schule unter den Bedingungen der digitalen Gesellschaft andererseits.

    Ganz platt: steht nicht Emanzipation, Autonomie und Selbstbestimmung im Vordergrund, können äußere Ereignisse als Rechtfertigung für vermeintlich oder tatsächlich gut gemeinte Maßnahmen nicht zwingend in ein tyrannisch autoritäres System aber doch in nur mehr schwer zu kontrollierende Überwachungsmaßnahmen münden. Das beschriebene Szenario setzt sich aus den diversen an sich zunächst sinnvoll anmutenden politischen Entscheidungen und technischer Machbarkeit zusammen, die quasi auf der Hand liegen und einleuchtend eine Lösung und einen Schutz vor einer tatsächlichen oder übersteigerten wahrgenommen Bedrohungslage anbieten. Das ganze funktioniert nur, weil sich an die jeweils vorhergehenden Überwachungsmaßnahmen gewöhnt wurde.

    Und darin liegt die eigentliche Gefahr der Vorratsdatenspeicherung. Sie für sich genommen und mit denen im jüngsten Gesetzentwurf vorgelegten Einschränkungen könnte als gelungener Kompromiss durchgehen. Aber sie ist natürlich auch ein Einfallstor für staatliche anlasslose Überwachung. Und das ist der große Verdienst dieses Beitrages, dass genau das deutlich wird: wird der staatlichen Überwachung erst mal eine Tür auch nur ein Spalt geöffnet, schließt sich bei Bedarf ein ganzes Tor auf und lässt (gut gemeint) alle Dämme brechen.

    Version 2.0 des Themas könnte nun idealerweise die Utopie darstellen. Wie sich aus dem Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung und NSA/BND Überwachung eine neue emanzipatorische Widerstandsbewegung und allgemeine Politisierung der Bevölkerung entwickelt und eine breite Diskussion darüber beginnt, wie wir leben wollen jenseits von rein ökonomischen Zwängen und Verwertbarkeit.
    Zum Beispiel: Wie offene Bildungsmaterialien und freie Software dazu führen, dass sich (Lern-) Plattformen entwickeln, die in den Händen der Nutzer_innen sind. Wie sich Kommunen, Vereine und andere Akteure in den Regionen vernetzen und “Schulen vor Ort” entwickeln.
    Wie sich Unterricht verändert und Individualität und Befähigung zum Lernen lernen in den Mittelpunkt rückt. Wie sich bei Politik und Gesellschaft durchsetzt, dass schulische und außerschulische Bildung eine grundständige, institutionell verankerte Finanzierung auf hohem Niveau braucht.

  3. Lieber Rüdiger, danke für den ausführlichen Kommentar! (Danke auch an alle, die Feedback per Mail etc. geschickt haben.) Die Parallel zur VDS gefällt mir gut. Genau darum geht es mir: Einzelne Schritte sind „tatsächlich gut gemeinte Maßnahmen“. Häufig sogar mehr als das: Sie sind tatsächlich gut. Das Gesamtbild, zu dem sich diese Schritte aber zusammenfügen, ist problematisch.
    Die Idee, in Version 2.0 ein Gegenbild zu entwerfen, traue ich mir noch nicht zu. Ich will erst einmal an dem bisherigen Vortrag arbeiten. Zumal ich auch einige Rückmeldungen bekommen habe, dass der rp15-Vortrag zu wenig prägnant sei. Ich selbst empfinde ihn auch zu „gehetzt“. Ich würde gerne eine Variante mit Visualisierungen und mehr Ruhe, vielleicht in 45 Minuten, austesten.

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