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„Was ist schlimmer – nicht bei tagesschau.de zu kommentieren oder nicht zur Wahl gehen?“

BildungsWelt, Eigene Texte, Gesellschaft, Politik & Ökonomie

digikon15 (Abbildung by Friedrich-Ebert-Stiftung FES)

Eine naive Überlegung mit Bitte um Eure Einschätzungen.

(Ich möchte das morgen bei der #digikon15 vorstellen.)


Verschwörungstheoretiker, Rechte, Populisten und Dauerkritiker dominieren die Kommentarspalten und die Facebook-Postings. Man schaue sich alleine tagesschau.de oder die Facebook-Seite der Bundesregierung an. Weniger sichtbar, dennoch wichtig: Diese Gruppen dominieren auch die Leserbriefe an Redaktionen und die Zuschriften an Politiker*innen.

Die schweigende Mehrheit (z.B. ich) kommentiert nicht dagegen, sondern wendet sich angewidert ab. Die mittig-orientierte Mehrheit (z.B. ich) schreibt den Politikern nicht, denen sie zustimmt.

Ist dieses Schweigen vergleichbar mit Nichtwählen? Oder schlimmer?

Was würde es bringen, wenn ich die Postings der Bundesregierung like, die ich für richtig halte? Wenn ich den Redaktionen und Politikern Briefe schreibe, denen ich zustimme? Das würde ja nichts ändern? So wie Wählengehen?

Mir geht es explizit nicht um die kleine Gruppe von Rechtsverstoßern. Bei denen ist der Fall ja klar und kann entsprechend konsequent behandelt werden, zumindest prinzipiell. Ich ignoriere an dieser Stelle auch bewusst die große Gruppe der Offliner bzw. derjenigen, bei denen kein Bewusstsein für das Internet als politisch-gesellschaftlicher Raum existiert. Es geht mir um diejenigen (wie mich), die sich selbst als politische Menschen sehen und die (wie ich) seit 5, 10 oder 15 Jahren behauptet haben, das Internet sei ein Raum, in dem politische Diskurse mit niedrigeren Hürden, flacheren Hierarchien und grenzenlosen Möglichkeiten geführt werden können, in dem sich alle beteiligen können – die elektronische Widergeburt der Agora!

2016 ist das Netz voll von Bürgern, die ihre Meinung äußern! Dummerweise sind es hauptsächlich Meinungen und Positionen, die wir ablehnen. Doch statt den Diskurs aufzunehmen, wenden wir uns mit Abscheu ab. Wir enthalten uns der Stimme.

Was haben wir in der politischen Bildung (im weiteren Sinn) gemacht? Wir sagen: „Vorsicht mit Meinungsäußerungen im Internet! Haltet Euch da zurück! Seid vorsichtig, was Ihr postet! Das kann negative Konsequenzen haben! Nutzt auf jeden Fall nicht Euren richtigen Namen!“

Ist das der richtige Weg? Wenn nein, wie sieht der Weg dann aus?

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