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Schwarze Pädagogik und die Biene Maja

BildungsWelt

(Im Video geht es von 0’57 bis 3’36 um die Begrüßung der Biene Maja, die gerade aus ihrer Zelle geschlüpft ist.)

Biene Maja wird geboren. Ihre Erzieherin namens Kassandra wartet ungeduldig, denn Maja ist die letzte der gerade schlüpfenden Generation. Zur Begrüßung bekommt Maja erst einmal alles um die Ohren gehauen, was die subtileren Formen der Schwarzen Pädagogik zu bieten haben:

  • Indirekte Schuldzuweisung: „Komm raus, Maja! Du bist die einzige, die uns noch fehlt.“
  • Direkter Vorwurf: „Es ist Deine Schuld. Warum bist Du denn nicht früher raus gekommen, Kind!“
  • Das-macht-man-nicht-Begründungen: „Eine Biene die träumt? Na so etwas!“
  • Phantasie als Gegenstück des Lernens: „Mit der Träumerei ist jetzt Schluss!“
  • Lernen als bittere Medizin: „Jetzt fängt der Ernst des Lebens an. Dafür musst Du viel lernen.“
  • Geringschätzung bzw. Kleinmachen des Zöglings:: „Das ist noch ein bisschen schwer zu verstehen für dich. Du musst erst einfachere Dinge lernen.“
  • Biologistische Legitimation von Machtgefälle: „Weil Dein Kopf noch zu klein ist.“

Maja dagegen gibt sich schon ab dem Moment vor ihrem Schlüpfen selbstbewusst, eigen und rebellisch:

  • Respektlosigkeit: „Na, das fängt ja gut an …“
  • Eigeninitiative: „Alles muss man selber machen!“
  • Empörtes Einfordern: „Warum erklärst Du’s mir nicht! Aber so, dass ich es auch wirklich verstehe! Wie soll ich denn was lernen für’s Leben, wenn mir keiner was erklärt!“

Vergleich Buch – Fernsehen

Im Buch „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ (erschienen 1912) gibt es übrigens einen ähnlichen Anfang. Auch hier ist Maja die Rebellin, die der Erzieherin das Leben schwer macht:

„Du musst warten lernen“, antwortete sie. „Kind, ich habe in diesem Frühling schon viel hundert junge Bienen erzogen […], aber mir ist noch keine vorgekommen, die so naseweis gewesen wäre. Du scheinst eine Ausnahmenatur zu sein.“
Maja errötete und fuhr mit den beiden zarten Fingerchen ihrer Hand in den Mund:
„Was ist das?“ fragte sie schüchtern, „eine Ausnahmenatur?“
„Oh, das ist etwas durchaus Unschickliches“, rief Kassandra

Kurz darauf soll Maja zum ersten Mal das machen, was von einer jungen Biene erwartet wird: auswendig lernen. Kassandra:

„Die erste Zeile kannst du dir gleich merken: ‘Heidekraut und Lindenblüte’. Sag es nach.“
„Das kann ich nicht“, sagte die kleine Maja, „das ist furchtbar schwer. Ich werde ja später auch schon sehen.“
Die alte Kassandra riß die Augen auf und schüttelte den Kopf.
„Mit dir wird es schlecht hinausgehen“, seufzte sie, „da sehe ich schon jetzt.“

Das Verhältnis von Kassandra zu Maja wendet sich dann übrigens zum Guten:

Kassandra lächelte gütig. Sie wußte nicht recht, woher es kam, aber sie hatte plötzlich eine ganz besondere Liebe zu deiner kleinen Maja gefaßt.

Jöran liest die Biene Maja (Buch „Die Biene Maja“, im Hintergrund Jöran)

Jöran liest die Biene Maja (erschienen 1912)

 

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr interessant. Ich habe nie im Buch von meiner Kindheit so eine Implikation gesehen. Auf jeden Fall das Buch, so wie ein Zeichentrickfilm, ist sehr spannend.
    Vielen Dank für die guten Erinnerungen!

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