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Keine Daten verraten viel über Dich …

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Konsorte Matthias Andrasch hat einen spannenden Artikel zum Thema Daten(schutz) & Co. geschrieben: Der Data Breakthrough – Du und die Medienpädagogik in der digitalen Krise? Matthias stellt darin die These auf, dass die digitalen Entwicklungen so rasant, umfassend und unvorhersagbar sind, dass wir Medienpädagog*innen (und auch sonst niemand) verlässliche Aussagen treffen können, welches heutige (Medien-)Verhalten morgen für Dich welche Konsequenzen hat.

Wer weiß, was morgen heute bedeutet

Wird Dein heute bei WhatsApp registriertes Kommunikationsverhalten in 10 Jahren dazu führen, dass Du bei Staat / Krankenversicherung / Liebespartner verdächtig wirst – aufgrund eines Musters, das heute noch unverdächtig ist? Oder wirst Du verdächtig sein, weil Du zu den wenigen Leuten gehört haben wirst, die WhatsApp gar nicht genutzt haben werden?

Oder ein Beispiel jenseits des Datenschutzes:

Wird Dein 15-jähriger Sohn, der seit einem Jahr gefühlt pausenlos Ego-Shooter spielt, in 10 Jahren massive Probleme haben, weil er heute in der Schule nichts gelernt hat? Wird er starke Konzentrationsprobleme haben, wenn es um Aufgaben geht, die eine längere Aufmerksamkeitsspanne fordern? Oder wird er ein exzellenter Nano-Chirurg, weil er eine großartige Hand-Augen-Koordination entwickelt hat, die für solche Aufgaben erforderlich sein wird, die wir heute noch gar nicht kennen?

Ein Mini-Beispiel aus der Gegenwart

Ein nettes kleines Beispiel tauchte in Hattingen beim EduCamp vor, gerade am Tag, an dem Matthias seine Thesen vorstellte. Wir spielten Volleyball, unter anderem T. und ich. Eigentlich wollte auch M. mitspielen, doch sie war nicht aufgetaucht. T. fragte mich, ob ich wüsste, wo M. sei.

Ich: „Nein. Ich habe ihr eine WhatsApp-Nachricht geschrieben. Aber laut WhatsApp-Haken wurde die Nachricht nicht mal zugeteilt.“

T.: „Moment, ich hole sie!“

T. geht und kommt kurz darauf mit M. zusammen zurück.

J.: „Nanu? Woher konntest Du wissen, wo M. war?“

T.: „Sie musste im Raum X sein. Das ist der einzige Ort hier, an dem man keinen Empfang hat. Wenn die Nachricht nicht zugestellt wurde, musste sie in diesem Raum sein.“

J.: „Krass. Das heißt, dass gerade das Nicht-Vorhandensein einer Datenspur Dir den Aufenthaltsort der Person verraten hat.“

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe ein Buch gelesen, in dem der Autor beschrieben hat, dass gerade das Nichtvorhandensein vom digitalen Spuren inmitten digitaler Spuren von Vielen eine Spur ist, weil das offline sein ein eindeutig Orten oder Absichten zuzuordnendes Indiz sei. Krass. Wir haben der Überwachung durch das Nutzen des Smartphone Tür und Tor geöffnet für eine sehr umfassende Personen- und Gruppenüberwachung. Man muss das wissen. Was wir aus der Erkenntnis machen? Ich weiß es noch nicht.

  2. Osama Bin Laden soll auch deswegen entdeckt worden sein, weil das Haus, indem er sich versteckte, weder Telefon noch Internet etc. hatte. Das machte verdächtig.
    Passt ein klein wenig zu dem obigen Beispiel und dem Kommentar von Tom.

    Und was das Nichtnutzen von whatsapp angeht: Dann sind diejenigen noch verdächtiger, die Threema, Signal, VPN, TOR etc. nutzen. Super. Tolle Zukunft. 🙁

    Gruß aus Hamburg

  3. Danke fürs Teilen meines Artikels und das weiterführende Beispiel, Jöran!

    Die Chirurgie ist ein ganz interessantes Beispiel, da in Halle (Saale) ja das Uniklinikum den Operationsroboter Da Vinci nun in der Praxis einsetzt – und die Chirurg*innen sitzen am Bildschirm daneben und stehen nicht mehr direkt neben den Patent*innen:
    http://www.ardmediathek.de/tv/Hauptsache-gesund/Chirurgie-der-Zukunft-dank-OP-Roboter/MDR-Fernsehen/Video?bcastId=7545180&documentId=39419342

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