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Aus dem #DaZmooc wird #DaZhub. (Und #DaZmoocs wird es wohl auch geben.)

BildungsWelt, Gesellschaft, Politik & Ökonomie, NetzWelt

dazhubIch hatte hier die Idee eines #DaZmooc skizziert, eine Community für Menschen, die anderen Menschen beim Lernen von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) helfen wollen, egal ob als professionelle Dozenten oder als ehrenamtliche Laien. Im Folgenden findet Ihr das daraus entstandene Feedback, viele Links zu Materialsammlungen und Projekten sowie eine Konkretisierung der Idee „DaZmooc“, die vielleicht besser „DaZhub“ heißen sollte.

Was wurde aus dem Feedback?

Zunächst Danke für das viele Feedback! Es ist in Kommentaren im Blog, auf Twitter, Facebook und in Mails bei mir angekommen. Auch im Rahmen des EduCamps in Berlin gab es eine Session mit vielen guten Rückmeldungen. Kai hat freundlicherweise eine Sammlung der Meinungen und Materialien zusammengestellt (13 Seiten Google Doc). Außerdem gibt es dank Kai und Karl ein gutes Protokoll der EduCamp-Session.

Wie weiter / Was gibt es schon?

In der Diskussion hat sich gezeigt, dass es um verschiedene Dinge geht: 1. direkte Lernangebote (z.B. Kurse), die sich an Lernende richten,  2. Materialsammlungen, die sich vor allem an Lehrende richten, 3. Vernetzungsmöglichkeiten, die sich an Lehrende und Interessierte richten. Zu allen drei Feldern gibt es schon einige Aktivitäten:

  1. Lernangebote, die sich direkt an Flüchtlinge richten
    Verschiedene Akteure haben schon Angebote gestartet oder angekündigt.
    Da ist z.B. die Kiron University, die gleich komplette Online-Studiengänge für Flüchtlinge anbieten will. Es gibt auch mehrere etablierte Player, die mir Mails geschrieben haben: „Wir bereiten gerade entsprechende Angebote vor, können aber noch nicht offen darüber sprechen. Aber da kommt bald was.“
  2. Materialsammlung von ZUM e.V.
    Viele der Rückmeldungen bezogen sich auf Materialien und Anlaufstellen im Netz oder vor Ort. Die großartige ZUM (Zentrale für Unterrichtsmaterialien im Internet) hat nun zum-willkommen.de gestartet. Hier können in einem Wiki Materialien und Hinweise von jedermann gesammelt und sortiert werden. Große Empfehlung!
  3. Vernetzung und Austausch
    Es gibt bereits zahlreiche Orte für Vernetzung und Austausch. Die Telekom hat den „Aufbau eines Flüchtlings-Portals mit Informationen für Flüchtlinge“ angekündigt. Auf tagesschau.de werden Berichte und Projekte rund um die Integration von Flüchtlingen auf einer Deutschlandkarte gesammelt.
    Für mich ist offen: Braucht es einen Hub, eine Community speziell zum Thema DaZ? Wird so etwas überhaupt angenommen / entdeckt? Welche Form müsste es haben? Ich habe mal ein Facebook-Gruppe aufgesetzt. Mal schauen, ob daraus etwas wird.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Überlegungen zu Ressourcen zu Deutsch als Zweitsprache – DaZ | Fortbildung in Bibliotheken

  2. Hallo Jöran,
    eine großartige Idee, helfen zu wollen und auch zu helfen. Der Bedarf ist sicherlich riesig. Dennoch bin ich skeptisch, denn meines Erachtens sollte Deutschunterricht genau wie Verpflegung, Kleidung, Unterkunft, ärztliche Versorgung und Co. strukturell verlässlich und professionell angeboten werden.

    Hier einige Gründe:
    – Niemand käme auf die Idee, Ärzte, Krankschwestern, Elektriker usw. ersetzen zu wollen, aber bei Deutschlehrern geht das? Haben die Freiwilligen eine Idee was Lernen ist, was Sprache ausmacht, was Fremdsprachenlernen erfolgreich macht?

    – Können die Freiwilligen die Flüchtlinge in angemessener Zeit auf die Teilhabe an der Gesellschaft vorbereiten? Ist es also vertretbar, wenn jemand nur zufällig ein Jahr länger zur Vorbereitung auf Studium/Beruf o.Ä. benötigt, z.B. weil es kein strukturiertes Programm oder gerade keine freiwilligen Dozent_Innen gibt?

    – Wer unterrichtet die Flüchtlinge, wenn die Freiwilligen nach einer Zeit wegbleiben, weil ihnen die Zeit fehlt, sie ggf. dringendere (private) Aufgaben zu erledigen haben?

    – Ist es fair gegenüber den „freien“ Dozent-Innen, die seit Jahren für gerechte Löhne kämpfen, durch die Erhöhung der Lehrkapazität die Chance auf angemessene Bezahlung zu gefährden? Denn diese Dozent_Innen sind ebenso wie Lotsen und Hebammen nach einem Gesetz von 1923 rentenversicherungspflichtig, d.h. von ihrem schmalen Honorar müssen sie selbst noch einmal Rentenbeiträge abführen. Soll das so bleiben? Sollten sie nicht den „normalen“ Lehrer-Innen gleichgestellt werden: Das ganze Elend offenbart sich hier: http://www.deutsch-als-fremdsprache.de/austausch/forum/read.php?9,87089

    Daraus ein Auszug:
    „Frage:„16. Welche Maßnahmen wurden infolge der 14. Sitzung der Bewertungskommission vom Dezember 2009 ergriffen, in der Aktivitäten zur Verbesserung der Beschäftigungssituation von Lehrkräften gefordert bzw. vom BAMF laut Protokoll auch in Aussicht gestellt wurden?“

    Antwort der Bundesregierung: “Der Bundesminister des Inneren hat in der 5. Sitzung des Innenausschusses am 9. Februar 2010 angesichts der derzeitigen Haushaltslage darauf hingewiesen,“(…) dass das Hauptinteresse eindeutig darin liegen müsse, möglichst viele Interessierte an den Kursen teilnehmen zu lassen und nicht eine möglichst gute Bezahlung der Lehrkräfte zu ermöglichen“ (siehe Ausschussprotokoll Nummer 17/5, Seite 15). (…)

    Nach §§ 198 i.V.m. 141 Abs. 1 SGB III wurde bis Mitte 2005 „(…) bei Honorarkräften in Aus- Fort- und Weiterbildung von der AA pro gehaltener Unterrichtsstunde* eine zusätzliche Stunde für Vor- und Nachbereitung angenommen“**. Letztere unbezahlt!

    15 € Honorar : 2 = 7,50 € Honorar.

    Zur Erinnerung: In 45 Jahresarbeitswochen in Vollzeit bei 20 € pro UE* kommt die IntV-Lehrkraft /Single monatlich maximal auf 990,85 € netto.

    2010 bei 15 € pro UE* waren es noch mindestens 25 % weniger. Maximal 743,14 € netto!“

    Bitte mich also nicht falsch verstehen; denn wenn es darum geht, die Flüchtlinge zu unterstützen, ihnen soziale Kontakte zu ermöglichen, sie teilhaben zu lassen an der Gesellschaft, unterstütze ich das Vorhaben voll und ganz!! Wenn es um Deutschunterricht geht, sehe ich in erster Linie die Politik / Behörden in der Pflicht, eine angemessene professionelle Grundversorgung zu gewährleisten, die man dann gern mit zusätzlichen Angeboten durch Freiwillige anreichern kann!

    Ich schreib’ dies, weil ich sichergehen möchte, dass Fern- und Nebeneffekte mitgedacht sind, denn de facto hebelt man so den Zwang zur Lösung durch die Politik aus – auf längere Sicht kann das nicht im Interesse der Flüchtlinge sein. … In diesem Sinne bleibe ich skeptisch, wäre aber äußerst dankbar, wenn es überzeugende Gegenargumente gibt. Vielleicht ist es ja auch kein “entweder oder”, sondern ein “und auch”. Bin gespannt.

    Herzliche Grüße

    Ivo van den Berk

  3. In vieler Hinsicht: stimmt. Und oft sind es Freiwillige, die Wegbereiterinnen sind, die einfach einen Anfang setzen. Weiters: auch LehrerInnen können und sollen sich freiwillig engagieren – als Anfang, als Teil eines entstehenden Konzepts, zu dem kurzfristig auch hauptberufliche Koordination gehört sowie Lehrende, die gerecht entlohnt werden.

  4. Auch wenn ich zustimme, dass Lehrer_innen gut ausgebildet und gut bezahlt sein sollen, dass auch Sprachunterricht für Asylbewerber professionell organisiert und angemessen bezahlt sein sollte, so bleibt wohl festzuhalten, dass dies den aktuell nach Deutschland kommenden Flüchtlingen wenig hilft.

    Aus eigener Auslandserfahrung weiß ich, wie wichtig gerade die ersten Wochen im Land sind, um Fuß zu fassen: organisatorisch / materiell, sprachlich und sozial / emotional. Hierfür reichen aktuell beim besten Willen die Ressourcen an entsprechend ausgebildeten Fachkräften und dazu gehöriger Stellen nicht aus.

    Ehrenamtliche Lehrkräfte werden zum Teil auch ausgebildete Lehrer (noch im Dienst oder im Ruhestand) sein, die aber keine Fachkräfte für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache sind. Sie wissen zu unterrichten, benötigen aber passende Materialien und methodische Hinweise für den neuen Einsatzbereich.

    Für den gerade nach Deutschland gekommenen Flüchtling wird vermutlich in den ersten Tagen und Wochen das wichtigste sein, dass es überhaupt Menschen gibt, die sich um sie kümmern bzw. zu denen sie Kontakt aufnehmen können. Wenn dabei der Sprachunterricht nicht so professionell läuft wie bei entsprechend ausgebildeten Lehrkräfte ist es das weitaus kleinere Übel im Vergleich dazu, dass in diesem Bereich nichts passiert.

    In “Willkommen in Deutschland” (www.zum-willkommen.de) und an anderen Stellen gibt es inzwischen zum Glück schon viele Hinweise und Materialien, die weiterhelfen.

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