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Warum ich mit „Beratung“ fremdele, aber „Beratschlagung“ liebe

„Wenn man keine vernünftige Berufsbezeichnung hat, dann nennt man sich ‚Berater‘.“

Das sage ich manchmal halb im Scherz, wenn ich irgendwo als „Berater“ oder die Agentur J&K als „Beratungsagentur“ bezeichnet werden. Ich fremdele bisweilen etwas mit  „Beratung“. Für konkrete Aktivitäten mag ich dagegen den Begriff „Beratschlagung“ sehr. Hier sind die Gründe.

Schiedsrichter beratschlagen untereinander
Beratschlagung alter weißer Männer 😉  | Bild von Keith Johnston auf Pixabay

Beratung im Bildungsbereich

Einerseits ist „Beratung“ für manche Tätigkeiten der am wenigsten falsche Begriff. Ich verwende ihn selbst gelegentlich. Andererseits sind viele Assoziationen, die man mit „Agentur“ und „Beratung“ verbindet, im Bildungsbereich nicht so treffend wie vielleicht in einer Kommunikationsagentur.

Hinzu kommt: „Beratung“ klingt zu sehr nach kommunikativer Einbahnstraße: Da kommen halt die Berater zu den Beratungsbedürftigen, senden ihre Beratung aus und hinterlassen die nunmehr Gut-Beratenden mit neuem Wissen zurück. (Ja, ich weiß, dass ich damit den meisten Berater*innen Unrecht tue.)

Beratschlagung

Ich mag den Begriff „Beratschlagung“ sehr. Eine „Beratschlagung“ ist nicht das gleiche wie eine Beratung oder eine Besprechung.

  • „Beratschlagung“ setzt auf Beteiligung und  Gegenseitigkeit. Wenn Menschen zusammenkommen, um gemeinsam über ein Problem oder eine Frage zu beratschlagen, dann bringen alle ihr Wissen, ihre Erfahrungen, ihre Perspektiven ein. Und aus diesem Gemeinsamen entwickelt sich eine Idee, ein Erkenntnisgewinn, ein Plan.
  • Mit „Beratschlagung“ verbinde ich auch Offenheit. Eine Beratschlagung wird einberufen, wenn die Dinge gemeinsam konkretisiert werden sollen. Für keinen Beteiligten stehen die Ergebnisse schon vorab fest.
  • Ich verbinde „Beratschlagung“ mit Gründlichkeit und Tiefe. Das DWDS verweist auf die Etymologie von „mit sich zu Rate gehen“ als „gründlich nachdenken“.
  • „Beratschlagung“ setzt Aktivität und Engagement voraus. Wer passiv an einer Beratschlagung teilnimmt, nimmt nicht wirklich teil.
  • Und schließlich suggeriert „Beratschlagung“ das ehrliche Interesse an einer Entscheidung bzw. einem Ergebnis. Es soll nicht nur geredet werden, sondern auf ein Lösung hin gearbeitet werden.
Hockeyspielerinnen beratschlagen im Huddle
Beratschlagung | Bild von Keith Johnston auf Pixabay

PS: Manche Menschen mögen bei „Beratschlagung“ auch an den Begriff der Deliberation oder das Konzept der Deliberativen Demokratie denken.

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